Die Kosten für den Führerschein setzen sich im Wesentlichen zusammen aus Verwaltungsgebühren, Ausbildungskosten und Prüfgebühren. Wir als Fahrschule wollen uns hier mit den Ausbildungskosten auseinandersetzen. Diese bestehen wiederum aus:
- dem Grundbetrag
- den Fahrstunden der Grundausbildung
- den 12 besonderen Ausbildungsfahrten (die Pflichtfahrstunden Überland-, Autobahn- und Beleuchtungsfahrt)
- den Vorstellungsentgelten zu den Prüfungen
Schauen wir auf die anfallenden Kosten und wie ihr Einfluss nehmen könnt:
Der Grundbetrag - wird bei uns nur 1x berechnet. Sollte jedoch nach einem Jahr euer Führerscheinantrag ablaufen, oder nach zwei Jahren die bereits besuchten Unterrichte, wird der Grundbetrag erneut halb bzw. komplett fällig. Ihr könnt also sparen indem ihr innerhalb eines Jahres die Theorieprüfung besteht.
Die Fahrstunden der Grundausbildung - erfahrungsgemäß werden hier 20 - 35 Ausbildungsstunden benötigt. Dies ist von euren Lernfortschritten abhängig. Wir können nur lehren, lernen müsst ihr selbst! Nutzt dazu jede Gelegenheit. Wenn ihr irgendwo mitfahrt - beobachtet was passiert als ob ihr selbst fahren würdet. Klärt die Vorfahrtssituatonen, schaut ob es wirklich so gemacht wird wie ihr dachtet, fragt nach. Hört wie das Auto vor- und nach dem Schalten klingt, wann wird geschaltet? Kann man die gefahrene Geschwindigkeit oder Änderungen hören? Vor den Fahrstunden das zuletzt Gelernte nochmal im Kopf durchgehen, nach der Fahrstunde das heute Gelernte auch in Gedanken nochmal wiederholen. Das Gehirn lernt durch Wiederholungen wenn es Ruhe hat. TikTok, Musik hören oder Filme schauen etc sind Ablenkung, nicht Ruhe. In der Zeit kann sich das Gelernte nicht festigen. Immer wieder beobachten wir dass sich erst kurz vor der Prüfung besonders konzentriert wird und dass diese Stunden besonders "fruchten". Die Preisdifferenz der o.g. 20 - 35 Stunden beträgt knapp 1000,-€ !
Die besonderen Ausbildungsfahrten - sollten die Ausbildungsziele der jeweiligen Stunde nicht erreicht werden, sind wir verpflichtet diese zu wiederholen. Durch die Grundausbildung vorher ist dies jedoch selten notwendig.
Die Vorstellungsentgelte für die Prüfungen - für die Organisation und Kommunikation mit dem TÜV, das Ausfertigen der notwenigen Unterlagen und die Prüfungsfahrstunde werden diese Vorstellungsentgelte berechnet. Jeweils dazu kommen die Prüfgebühren des TÜV. Die Theorieprüfung kostet also knapp 85,-€. Wer schlecht vorbereitet die Theorieprüfung "mal versucht ob es klappt" kommt schnell auf unnötige und zusätzliche Kosten. Dazu kommen weitere Fahrstunden in der Grundausbildung um das fehlende Wissen aufzuholen sowie ein höheres Risiko in der praktischen Prüfung durch Wissenslücken.
Die Gesamtkosten der praktischen Prüfung betragen knapp 300,-€. Es ist preiswerter vier Fahrstunden mehr zu nehmen als einmal nicht zu bestehen. Dazu kommt die psychologische Belastung der Wiederholungsprüfung. Durch unsere Erfahrung können wir recht gut einschätzen wie viele Fahrstunden noch bis zur Prüfung notwendig sind.
Das aktuell unausgearbeitete Eckpunktepapier des Ministeriums setzt auf:
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Digitalisierung (voll digitaler Theorieunterricht) Damit können wir nicht jede Fahrschülerin/ jeden Fahrschüler erreichen. Während Corona haben wir erlebt wie mangelhaft digitaler Unterricht ist. Es bestanden erhebliche Wissenslücken. Viele wissen um die Ablenkung von z.B. Social Media während dem arbeiten in der Lernapp. Manche haben keine entsprechende Geräte oder schlechte Internetverbindung. Als Folge müssen wir weiterhin auch Präsenzunterricht anbieten - mehr Aufwand, mehr Kosten, höhere Preise.
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Einsatz von Fahrsimulatoren. Wenig hilfreich. Vielleicht kann der Simulator ein paar wenige Fahrstunden einsparen, jedoch ersetzt er keine Fahrstunden im echten Auto im echten Verkehr. Auch die Schaltkompetenz lässt sich nicht wirklich darauf erlernen. Wir hätten also die zusätzlichen Kosten für zwei Fahrsimulatoren (jeweils ca 25.000,-€), Softwarepflege, Miete für größere bzw weitere Schulungsräume, mehr Strom und Heizkosten (anstatt zwei Tage nur zum Unterricht an sechs vollen Tagen). Erheblich mehr Kosten bei zweifelhaftem Nutzen.
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Bürokratieabbau (Wegfall von Vorgaben für Schulungsräume) Eventuell hilfreich. Jedoch müssen noch immer u.a. Brandschutzvorschriften eingehalten werden.
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Reduzierung des Theorie-Fragenkatalogs. Eventuell hilfreich. Wir haben einen riesigen Fragenkatalog von rund 1300 Fragen. Der Hintergrund ist jedoch dass man mehr verstehen und weniger auswendig lernen soll. Weniger Fragen könnte die Bestehensquote verbessern. Eine gesunde, eigene Lernbereitschaft aber auch.
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kürzere Prüfungszeiten. Ja bitte!!
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mehr Transparenz (Vergleich von Kosten und Durchfallquoten von Fahrschulen) Unrealistisch! Eine Fahrschule in einer Großstadt hat höhere Kosten zu tragen als auf dem Land (Miete). Um gerine "negativ Quoten" zu erreichen, würden schon bei der Anmeldung einige Bewerber abgelehnt.
Insgesamt lässt sich sagen das, meiner Meinung nach, die Vorschläge keine wirkliche Kostensenkung bringen würden. Unsere Idee wäre den Auto Führerschein - wie bereits den LKW Schein - von der Mehrwertsteuer zu befreien. Nach einreichen der Fahrschulrechnung würde das Finanzamt die Mehrwertsteuer erstatten. Das wäre für euch sofort eine Ersparnis von 19% und einigen unseriösen Kollegen die "ohne Rechnung" arbeiten um Einkommenssteuer zu sparen würde das Handwerk gelegt.
Weitere Anmerkungen
Weil die Fahrstunden "so teuer" sind hier mal ein Preisvergleich von Fahrstunden zu anderen Gewerben: Fahrstunde 45min/ 65€ Entspricht 87,-€ Stunde (inkl. Steuern, Lohn, Kraftstoffkosten, Kosten für Wartung und Inspektion, Spezialumbau Fahrschulwagen, Versicherung)
- Friseur Herrenhaarschnitt: 25,-€ in 15min = 100,-/ Stunde
- Autowerkstatt: von 70,- bis 300,-€-/ Stunde (ohne Ersatzteile)
- Heizungsbauer: 95,-€ ohne Anfahrt und Ersatzteile
- Maler/ Anstreicher: 65 - 85,-€ ohne Farbe, Pinsel, Abklebematerial